Januar… die Natur träumt einen tiefen Traum

Wenn wir dieser Tage in die Natur blicken, sehen wir, dass das Leben sich fast ganz zurückgezogen hat. Die Bäume sind kahl, der Erdboden nackt und mit Moos bedeckt. Viele Tiere kuscheln sich träumend in ihren Winterhöhlen, die Pflanzenkeimlinge liegen schlummernd im Boden und wissen, dass es noch Zeit braucht, bis die Saat wieder ans Licht drängt.

Leben im Rhythmus der Jahreszeiten würde uns auch heute noch gut tun. Denn das haben die Menschen seit Jahrtausenden getan. Erst in den letzten hundertfünfzig Jahren haben wir uns durch das elektrische Licht und die ständige Verfügbarkeit von Medien und Unterhaltung von den Rhythmen der Natur entfremdet.

Was die Menschen früher im Januar gemacht haben

Der Januar war früher der Monat des gemütlichen Zusammensitzens und Werkelns. Die Familien sassen im einzigen warmen Zimmer mit der einzigen Kerze eng beieinander und reparierten, was im Laufe des vergangenen Jahres kaputt gegangen war. Neue Zähne für die Heugabeln wurden geschnitzt, Schuhe geflickt und Kleider gestopft, Töpfe und Möbel restauriert. Und dabei wurden Geschichten erzählt. Die Menschen versanken in magische Welten der Geschichten, während draussen der Schneesturm tobte. Dabei war genug Zeit und Raum, um den Gedanken freien Lauf zu lassen, um das Alte zu verabschieden, um zu träumen, um sich vorzustellen, was das neue Jahr wohl bringen könnte, und sich auf das Neue innerlich einzustellen, indem man es sich vorstellte und ausmahlte.

So wie die Pflanzen im Januar innehalten und warten, bis es wieder Zeit ist zu spriessen, und so wie die Menschen den Januar zum Ausruhen von der harten Arbeit, zum Geschichtenerzählen und zum inneren Einstellen auf das Kommende nutzen, so tut auch uns jetzt Geduld mit ersehnten Veränderungen gut. In unserer schnelllebigen Zeit ist das aber leider schwer in die Tat umzusetzen. Doch versuchen kann mann es trotz alledem mal.