Fallende Blätter, Gäste aus dem Norden… der Oktober !

Die Römer nannten ihren achten Monat des Jahres mensis october (octo = acht). Obwohl der Monat nach der Julianischen Kalenderreform 46 v. Chr. an die zehnte Stelle verschoben wurde, ist es bei seinem römischen Namen geblieben.

Der Vogelzug hat jetzt seinen Höhepunkt erreicht. Viele Arten aus dem Norden und Osten sind jetzt als Gäste bei uns, die entweder eine Rast einlegen oder sogar hier überwintern. Auf ihren weitreichenden Reisen stellen Zugvögel so manchen tierischen Rekord auf. Beeindruckend sind nicht nur die Entfernung, die sie zurücklegen, sondern auch, in welcher Höhe sie fliegen können. Daher widmen wir uns im Monatsthema vom Oktober speziell dem Vogelzug.

Die kurioseste Zugroute

Die Brutgebiete des Steinschmätzers reichen von ganz Europa bis nach Kanada, Grönland und Alaska. Eigentlich gäbe es für die nordamerikanischen Steinschmätzer ideale Überwinterungsbedingungen auf den pazifischen Inseln oder in Mittel- und Südamerika. Aber die etwa amselgrossen Vögel ziehen nicht etwa südwärts in die nächstgelegenen Winterquartiere, sondern wandern quer durch Asien bis nach Südwestafrika: eine aberwitzig lange Strecke von mehr als 15.000 Kilometern. Jahreswanderstrecke der Alaska-Steinschmätzer-Population: bis zu 35.000 Kilometer.

Der einsamste Zugvogel

Der Kuckuck sieht seine gelegten Eier nie. Als Kuckucksei in ein fremdes Gelege geschmuggelt, lässt sich der junge Schmarotzer von seinen Gasteltern hochpäppeln, die meist um ein Vielfaches kleiner sind. Bis das Nest irgendwann zu klein wird. Und dann geschieht etwas erstaunliches: Ohne Flugunterricht flattert der junge Kuckuck los und macht sich ganz alleine auf in Richtung Winterquartier. Egal, ob er von Nichtziehern wie Zaunkönigen oder Teilziehern wie Rotkelchen grossgezogen wurde. Sein Verhalten macht besonders deutlich, dass Zugzeitpunkt, -richtung und -dauer angeboren sind.

Einer der winzigsten Zugvögel

Der Rubinkehlkolibri ist nur wenige Zentimeter gross, vergleichbar mit einer grossen Hummel. Und so hört sich das auch an, wenn er im Schwirrflug vor einer Blüte schwebt und Nektar nascht. Gerade mal vier Gramm schwer, schafft er es trotzdem, auf seiner Flugroute von Kanada nach Costa Rica den Golf von Mexiko im Non-Stop-Flug zu überqueren. 1000 Kilometer ohne Rast. Physiologische Messungen haben ergeben, dass der Vogel-Winzling diese Strecke eigentlich gar nicht durchstehen kann. Des Rätsels Lösung: Die Forscher massen den Energieverbrauch des Vögelchens beim Schwirrflug. Während des Zuges schaltet der Kolibri aber auf eine wesentlich energiesparendere Flugtechnik um, die mit deutlich weniger Flügelschlägen auskommt.

Die weiteste Zugstrecke

Schon das „Design“ verrät: Bei der Küstenseeschwalbe handelt es sich um einen ausgeprägten Langstreckenzieher. Aerodynamischer Körperbau, charakteristisch gegabelte Schwanzfedern und lange gewinkelte Flügel: windschnittig und ideal zum Segeln. Die Küstenseeschwalbe ist der Zugvögel mit der längsten Zugstrecke. Lange nahm man an, dass die Küstenseeschwalbe auf ihrem Weg von der Arktis zur Antarktis und zurück rund 35.00 Kilometer fliegt. Doch wie neuere Forschungen zeigen, legt sie eine deutlich längere Strecke zurück. An einigen Vögeln brachte man winzige Sensoren an, sogenannte Geolokatoren, die gerade einmal so viel wiegen wie eine Büroklammer. Was ergaben die Auswertungen? Auf ihrer Hin- und Rückreise legten die Küstenseeschwalben im Durchschnitt rund 90.000 Kilometer zurück – mehr als alle anderen Wandertiere der Erde. Einer der Vögel flog sogar 96.000 Kilometer! Doch warum musste man die Zahl so stark nach oben korrigieren? Unabhängig vom Startpunkt flogen die Küstenseeschwalben nie auf direktem Weg zu ihrem Ziel. Die Route über den Atlantik zum Beispiel verläuft s-förmig. Warum? Die Vögel nutzen so auf ihrem Weg die Windströmungen aus. Küstenseeschwalben werden etwa 30 Jahre alt und können in dieser Zeit sage und schreibe 2,5 Millionen Kilometer zurücklegen – drei bis vier Mal so weit wie zum Mond und wieder zurück! Das ist eine unfassbare Leistung für einen Vogel, der nur knapp über 100 Gramm wiegt! Und bei noch etwas hält die Küstenseeschwalbe den Weltrekord: Da sie den Sommer an beiden Polen miterlebt, ist sie wahrscheinlich insgesamt dem Tageslicht mehr ausgesetzt als irgendein anderes Tier.

Die höchste Zughöhe

Die Kollision mit einem Vogel während des Fluges ist von allen Piloten gefürchtet. Man könnte denken, in über 11.000 Metern Höhe wäre man zumindest davor sicher. Weit gefehlt: Einem Piloten flog in sage und schreibe 11.300 Metern Höhe über der afrikanischen Westküste ein Sperbergeier ins Triebwerk. Der Geier, der allerdings kein Zugvogel ist, hatte diese Höhe bei aussergewöhnlich guten Aufwinden erreicht.

Zugvögel wie Streifengänse überqueren den Himalaja immerhin in 9.000 Metern Höhe. Singschwäne und Mauersegler wurden in 8.000 Metern Höhe gesichtet. Störche lassen sich von Aufwinden bis in Höhen von 4.800 Metern tragen.

Erstaunlich also, was die gefiederten Tiere alles auf sich nehmen für die Arterhaltung. Also schauen wir, dass wir ihnen mit Respekt entgegen treten indem wir ihnen Nahrungs-, Rast- und Brutplätze erhalten, schaffen und fördern. Auch diejenigen um uns herum benötigen solche Lebensräume, nicht nur die Rekordhalter.