Die Strategie der Frühblüher

Flora

Während teilweise noch Schnee liegt, spriessen bereits die ersten Schneeglöckchen aus der Erde und sorgen für Farbtupfer in Wald und Garten. Dafür haben diese sogenannten Frühjahrsblüher eine ganz besondere Strategie.

Solange die Baumkronen der Laubwälder noch nicht ausgebildet sind, dringt Licht bis zur unteren Krautschicht hindurch und erwärmt den Waldboden. Dieses erste Frühjahrslicht machen sich die dort wachsenden Pflanzen zu Nutze. Doch Photosynthese alleine reicht zum Austrieb der Pflanzen in dieser frühen Jahreszeit nicht aus. Deshalb benötigen Frühjahrsblüher noch eine weitere Strategie, die schon im Herbst des Vorjahres aktiviert wird.

Um den Lichtmangel und die tiefen Temperaturen des Winters zu überstehen, fahren die photosynthetischen Aktivitäten zurück. Das Wachstum wird eingestellt, stattdessen setzt die Ruhephase ein. Dabei speichern die Pflanzen Reservestoffe ( vor allem Stärke und Mineralstoffe ) in sogenannten Erneuerungsorganen. Bei manchen Pflanzen, bei sogenannten Chamaephyten,  zu denen zum Beispiel die Grosse Sternmiere zählt, liegen die Erneuerungsknospen oberhalb der Erdoberfläche. Sie sind besonders frostresistent und werden zudem durch Schnee geschützt.

Gänseblümchen und Schlüsselblumen zählen hingegen zu den Hemikryptophyten, die an Stellen überwintern, wo sie von Schnee und Laub geschützt werden.

Bei den meisten Frühblühern handelt es sich um Geophyten, auch Bodenpflanzen genannt. Das oberirdische Pflanzenmaterial stirbt komplett ab und die Pflanzen überdauern den Winter unterirdisch. Bei den Erneuerungsknospen von Geophyten handelt es sich entweder (wie bei Krokussen) um Knollen, um Rhizomen bei Winterlingen, oder wie bei Schneeglöckchen und Märzenoechern um Zwiebeln.

Unabhängig davon, mit welcher Strategie die Pflanzen es schaffen zu überwintern, sobald sie die Signale des Frühlings erhalten, treiben ihre Blütenstängel aus, zum Teil sogar durch  die Schneedecke hindurch. Mit der vollständigen Entwicklung des Kronendachs der Laubbäume ist das bunte Farbenspiel dann auch schon wieder vorbei. Die Frühjahrsblüher erhalten nicht mehr genug Licht um Photosynthese zu betreiben und ziehen sich wieder zurück. Davor sammeln sie aber ausreichend Nährstoffe, um auch im nächsten Jahr wieder in bunter Farbenpracht zu blühen.

Fauna

Doch nicht nur die Pflanzenwelt erwacht zu neuem Leben, auch die Tierwelt wird wieder munterer. Schon jetzt kann man an wärmeren Tagen an Waldrändern die ersten Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)fliegen sehen. Der Falter hat den Winter steif gefroren in einem Gebüsch in Winterstarre verbracht und zählt zu den ersten Frühlingsboten. Eine Art Frostschutzmittel in seinen Flügeln sorgt dafür, dass er unbeschadet wieder auftaut. Übrigens sind nur die Männchen so richtig zitronengelb, die Weibchen sind viel heller und eher grünlich.