Der Juli ….. Fingerhut, Leuchtkäfer und Co….

Der Rote Fingerhut – früher Mordwerkzeug, heute Heilmittel

Der ausgesprochen schöne Fingerhut (Digitalis purpurea) blüht jetzt auf Waldlichtungen, Kahlschlägen und an Waldrändern. Seinen Namen verdankt er seinen becherförmigen Blüten, die die Form eines Fingerhutes haben. Die Pflanze ist sehr giftig. Im Mittelalter wurden die Blätter gern dazu benutzt, unliebsame Zeitgenossen vorzeitig ins Jenseits zu befördern. Heute ist er ein wichtiger Rohstofflieferant der Pharmaindustrie für Herzmedikamente.

 

Leuchtkäfer auf Partnersuche…

 In Parks, Gärten und Laubwäldern zaubern in warmen Nächten Glühwürmchen mit ihrem grünlichen Leuchten eine ganz besonders romantische Stimmung. Natürlich sind es keine fliegenden Würmer, sondern Männchen des Kleinen Leuchtkäfers (Lamprohiza splendidula), die durch die Lichtsignale eine Partnerin suchen. Leider sind auch diese Tierchen vielerorts schon sehr selten geworden.

 

Ein Kolibri ??????

„Heute habe ich in meinem Garten einen Kolibri gesehen!“

„Ach ja?“

Hier handelt es sich bei dem vermeintlichen Tropenbewohner nicht um einen Vogel, sondern um einen Schmetterling. Das Taubenschwänzchen oder Macroglossum stellatarum beschreibt einen zu den Schwärmern gezählten Nachtfalter, der in ganz Mitteleuropa sowie in weiten Teilen Asiens bis nach Japan, in Nordafrika und im Nahen Osten verbreitet ist. Seinen deutschen Namen verdankt das Taubenschwänzchen seinem am Hinterleib befindlichen Büschel, das durch die zweigeteilte Form und die gräuliche Färbung an die Schwanzfedern einer Taube erinnert.  Das Taubenschwänzchen ist mit Ausnahme dichter Wälder in unterschiedlichen Lebensräumen anzutreffen und kann im Sommer oft auch in Städten beobachtet werden, da es von Blütenpflanzen in Gärten, Parks und auf Balkonen angezogen wird. Es erreicht flügelspannweiten von maximal acht Millimetern und besitzt einen dicht behaarten, wie die Vorderflügel graubraun gefärbten Körper. Die kleinen Hinterflügel erscheinen in einem leuchtenden Orangebraun, das sich auch auf der Unterseite zeigt. Auffallend ist auch der fast drei Zentimeter lange Saugrüssel. Obwohl das Taubenschwänzchen aufgrund seiner grauen Färbung den Nachtfaltern zugeordnet wird, fliegt dieser Schmetterling überwiegend tagsüber und ist nur selten in der Dämmerung und in den Nachtstunden aktiv. Sie vertragen auch niedrige Temperaturen, indem sie durch das sogenannte Wärmezittern ihre Körpertemperatur erhöhen. Sommerliche Hitze während der Mittagsstunden wird grundsätzlich gemieden. Taubenschwänzchen sind gesellige Falter, die sich abends auf gemeinsamen Schlafplätzen versammeln. Dabei handelt es sich meist um warme Felsen, die Tagsüber von der Sonne beschienen werden. Dort finden sie auch ihre Geschlechtspartner.

Mit ihrem schwirrenden Flug bewegen sie sich blitzschnell von Blüte zu Blüte, um grosse Mengen an Nektar innerhalb kürzester Zeit aufzunehmen. Mit dem langen Saugrüssel gelangen sie auch zu tief in Blütenkelchen befindlichem Nektar, der für die meisten Fluginsekten nicht erreichbar ist. Ihren Schlaf- und Futterplätzen bleiben sie oft bis zu ihrem Lebensende treu.

Nach der Paarung, die bis zwei Stunden dauern kann, heftet das Weibchen bis zu zweihundert Eier einzeln an junge Blütenknospen. Die Raupen erscheinen in zwei Generationen zwischen Juni und Anfang Oktober.  Die mitteleuropäischen Populationen kehren im Herbst in ihre Winterquartiere in Südeuropa zurück. Auf ihren Wanderungen können sie bis zu zweitausend Kilometer zurücklegen und sind daher sogar in Skandinavien anzutreffen.

 

Die Beutelmeise….

Die Brutstrategie der Beutelmeise ist ein Geniestreich der Natur. Kein Wunder also, dass ihre Population so stabil ist wie nie zuvor.

In den 1950er Jahren kam die Beutelmeise nur in Osteuropa vor. Erst zu dieser Zeit begann ihre gewaltige Expansion, die sie bis nach Norwegen, die Niederlande Frankreich usw. führte.

Doch wie kam es zu dieser blitzartigen Ausbreitung in Europa? Ein Grund war die grösstenteils milde Wetterlage. Im Sommer wurden die Eier schön gewärmt, im Winter musste kaum ein Vogel den Kältetod sterben. Es gab immer mehr Nahrung in Form von Insekten und mit neuen Teichbiotopen in Kiesgruben entstanden neue Lebensräume. So konnte die besondere Brutstrategie der Beutelmeise ihre ganze Kraft entwickeln und die Population wuchs gewaltig an.

 

Die Bauweise des Nestes der Beutelmeise ist einzigartig unter den Singvögeln. Das Männchen sucht sich am Ufer eines Gewässers den passenden Baum aus. Beliebte Arten sind Birke, Weide, Erle und Pappel. Diese müssen herabhängende, möglichst gegabelte Zweige aufweisen. In so einer Astgabel verbindet das Männchen die beiden Zweigenden mit einem Faden aus Pflanzenfasern. So entsteht nach und nach eine Art Schaukel oder Hängematte. Das fleissige Männchen muss nun Boden und Seiten der Konstruktion so lange verstärken und ausbessern, bis ein „Henkelkorb“ entsteht. Es ist wichtig, dass er oben offen bleibt, denn nun kommt das Weibchen ins Spiel. Durch Singen und Rufen macht das Männchen auf diesen „Henkelkorb“ aufmerksam, damit ein Weibchen zur Begutachtung dazu kommt. Die weiblichen Beutelmeisen achten vor allem darauf, dass Boden und Wände des Nestes möglichst dick sind. So werden die Eier besser vor Kälte geschützt. Neben Pflanzenfasern dient vor allem Samenwolle als Nistmaterial. Das gibt dem Nest am Ende sein weiches, fluffiges Aussehen. Gefällt der Rohbau einem Weibchen, verpaart es sich mit dem Männchen und übernimmt den Nestbau. Am Ende ist das Nest eine stabile, geschlossene Tasche. Den einzigen Eingang bildet ein kleiner Tunnel an der Seite.

Wenn das Nest gebaut ist und die Eier gelegt sind, beginnt ein weiteres Kuriosum. Weil das Nest so gut isoliert ist und kaum Wärme nach aussen abgibt, muss nicht ständig ein Altvogel zum Brüten da sein. Vielmehr ist es sogar möglich, dass nur ein Elternteil die gesamte Brut übernimmt, während der andere das Nest verlässt und sich erneut paart. So eine Trennung ist bei den Beutelmeisen nicht mit Drama verbunden, sondern ein wichtiger Teil ihrer Fortpflanzung. Grundsätzlich kann jeder Partner die Trennung einleiten, meist tut es aber das Männchen. Das liegt daran, dass für ein Männchen immer das Risiko besteht, sich mit einem bereits befruchteten Weibchen zu verpaaren, das dann die Eier eines anderen Männchens legt. Verpaart sich ein Männchen aber mehrmals, ist die Chance grösser, dass es seine Gene weitervererben kann. Ein Problem gibt es aber bei der sogenannten sozialen Polygamie. Wenn sowohl Männchen als auch Weibchen das Gelege verlassen wollen, um sich neu zu verpaaren, wird die Brut aufgegeben. In diesem Fall haben sich zwei Vögel verpaart, die beide die Strategie der frühzeitigen Trennung verfolgen und sich auch nicht davon abbringen lassen. So ein Konflikt tritt aber zum Glück nicht sehr häufig auf.